Still, still, still, weils Kindlein trinken will

Schon vor der Geburt machen sich die meisten Frauen Gedanken, ob Sie ihr Baby danach stillen möchten, oder lieber nicht.

Es gibt für beide Varianten Vor- und Nachteile und bei manchen eben auch keine Wahl.

Ich entschied mich für das Stillen. Ich wollte die Nähe zu meinem Kind und ihm alles mitgeben, was ich kann. Es ist ja von der Natur so vorgesehen, also wollte ich es auf jeden Fall versuchen.

Nach der Geburt im Kreißsaal habe ich ihn dann gleich angelegt und es hat super geklappt. Ich war sehr glücklich und sah positiv in die Ernährungs-Zukunft meines Sohnes.

Doch dann auf dem Zimmer als der Milcheinschuss auch kam, wurde es immer schwieriger. Mein Sohn hatte zu lange geschlafen und ist mit Kohldampf aufgewacht. Nun wurde er ganz hektisch und schaffte es einfach nicht sich richtig festzusaugen.

Ich musste eine Hebamme dazu rufen, welche mir geholfen hat. Dann hat es wieder super geklappt. Das wiederholte sich mehrmals täglich. Ich fragte dann, was ich machen kann, dass ich das auch alleine hin bekomme. „Das geht so leider nicht, da braucht man ein paar Hände mehr und aus einem anderen Winkel“ Und was nützt mir das ganze dann, wenn ich alleine mit dem Kleinen bin?

So wiederholte es sich mit Heißhunger, schlechtem Anlegen und Hilfe durch die Hebammen, bis am vorletzten Tag eine neue Hebamme auf die Station kam. Sie sah sich das ganze an und fragte mich, warum ich es nicht mit einem Stillhütchen versuche?

Stillhütchen??? Davon hatte ich bisher nichts gehört. Das ist mein erstes Kind, woher soll ich sowas kennen?

Die Hebamme ging kurz weg und kam dann mit dem besagten Stillhütchen zurück. Es sieht fast aus wie eine nachgeformte Brustwarze aus Silikon, oder der Sauger bei einer Flasche. Aus ganz dünnem, weichem Material, kann man dieses vorne auf die Brust setzen und die Brustwarze wird so künstlich vergrößert.

Stillhuetchen2

Ich nahm nun also unseren Kleinen und versuchte es…. super! Er saugte sich fest und hatte keine Probleme beim Trinken. So wurde er endlich satt. Warum konnte man mir das nicht früher zeigen???

Das Stillhütchen bringt natürlich auch so seine Tücken mit. Man muss es immer gründlich reinigen und sollte es öfters sterilisieren oder abkochen, damit alles hygienisch bleibt. Da Lukas beim Trinken immer noch sehr hektisch war, schaffte es er immer wieder das Hütchen von der Brust zu ziehen. Alle Milch die sich im vorderen Teil schon gesammelt hatte lief dann natürlich aus. Auf das T-Shirt, die Couch, das Bett… je nachdem wo man eben gerade ist und in welcher Position man stillen möchte.

Das Stillen im Liegen ist für mich somit gleich ausgeschieden. Es klingt toll, wenn einem gesagt wird, man könne nachts das Baby dann einfach zu sich her ziehen und während des Stillens weiter dösen… nein, mein Bett war nass! Also wurde im Sitzen gestillt!

Nächstes Problem… die Stillhütchen sind transparent und somit war ich gefühlt andauernd auf der Suche. Entweder es war zu dunkel im Zimmer, sie lagen auf einem doofen Untergrund, oder ich hatte sie noch beim Sterilisieren und vergessen wieder bereit zu legen. Andauernd waren sie weg. Nachts legte ich mir schon 3 Stück bereit, dass ich wenigstens eines immer finden konnte.

Stillhuetchen

Die Zeit während des Stillens war trotzdem schön. Ich genoss die Nähe zu meinem Kind und das Gefühl ihm alles wichtige mitzugeben. Und er genoss es sichtlich auch, denn er kam immer öfter und wollte immer mehr trinken. Er schrie sehr viel und ließ sich fast nur an der Brust beruhigen. So hatten wir irgendwann eine Tagesaufteilung von:

60% Schlafen, 25% Stillen, 10% Schreien und 5% Lachen und Spielen.

Unser Arzt erklärte uns regelmäßig etwas von Koliken und dass es vorbei geht. Wir haben eben ein temperamentvolles Kind. Dass er so viel trinken möchte, das liegt wohl an dem hohen Energiebedarf in den Wachstumsphasen, aber eigentlich ist alles super.

Zeitweise war ich vom Stillen so ausgelaugt, dass ich mich kaum von der Couch bewegte. Abpumpen für den Abend, wenn ich zur Rückbildungsgymnastik musste… keine Chance.

Also probierten wir irgendwann Anfangsmilch aus, damit wir für solche Fälle etwas für Lukas zum Trinken da hatten. Er hat es sehr gut vertragen und auch für unterwegs war dies eine gute Lösung, da ich ihn ja nicht stündlich in der Stadt anlegen kann.

Bei der U4 wurde Lukas dann nochmal auf die Waage gelegt und man stellte fest, dass er nicht mehr so viel zugenommen hat. Anscheinend reicht meine Muttermilch nicht mehr aus. Also sollten wir ab sofort zufüttern mit 1er Anfangsmilch.

Also ab in die Drogerie unseres Vertrauens und zuhause angefangen Buch zu führen, wann er wie viel trinkt. Um zu testen, wie viel er überhaupt durch das Stillen bekommt, habe ich eine volle Stillmahlzeit abgepumpt. Erschreckenderweise kam ich gerade einmal auf 90 ml, natürlich hat ihm das nie gereicht.

Flaeschchen

Ab sofort bekam er also die Brust und anschließend noch Anfangsmilch. Das hat allerdings nicht lange funktioniert, da ich immer weniger Milch hatte und somit innerhalb einer Woche abgestillt habe.

Ein bisschen „Trennungsschmerz“ kommt dabei schon auf, da man die Zeit ja auch genossen hat. Und man macht sich Gedanken, weil man selbst nicht alleine für das Wohl des Kindes sorgen konnte. Aber man tut alles um es ihm gut gehen zu lassen.

Jetzt bekommt er nur noch Anfangsmilch und was soll ich sagen… bis auf die Bauchschmerzen beim Stuhlgang, weil der Darm sich erst an die neue Nahrung gewöhnen muss, ist er ein so ausgeglichenes Kind, er lacht sehr viel und ist fröhlich. Das temperamentvolle Schreien von früher ist fast komplett verschwunden.

Die Frage die sich dir dabei stellt, ist natürlich, ob es schon länger nur Hunger war, warum er geschrien hat. Haben wir ihn unwissentlich hungern lassen? Das würde erklären, warum er sich nur an der Brust beruhigen ließ und andauernd angelegt werden wollte.

Mir blutet das Mutterherz bei dem Gedanken, dass wir ihm schon so viel früher hätten helfen können. Aber leider wussten wir es nicht.

Jetzt genießen wir jedes Lachen, das fröhliche kleine Wesen und das Kuscheln beim Geben der Flasche.

Und natürlich hat man auch ein paar weitere Vorteile. Ich muss nicht mehr in einen anderen Raum, wenn wir Besuch haben und der Kleine Hunger bekommt. Unterwegs ist es auch viel unkomplizierter. Und an Weihnachten gab es sogar ein Gläschen Wein zum Abendessen.

FlascheGeben

Es ist einfach schwierig die Bedürfnisse eines Babys richtig zu erkennen, da es einem diese nicht einfach sagen kann. Aber ich empfehle jedem, ein „Schreikind“ nicht einfach als solches hinzunehmen, denn jeder Schrei hat einen Grund! Manchmal kann man ihn herausfinden und manchmal eben nicht, aber wenn man es schafft, ist es ein Gewinn für Baby und die Eltern.

Jetzt schauen wir positiv nach vorne in das neue Jahr und haben um Mitternacht erstmal mit einem Gläschen Sekt auf unsere tolle Familie angestoßen – dieses Jahr nicht mehr alkoholfrei 😉

 

 

 


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